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Tibetische Medizin 189

Bei der tibetischen Medizin handelt es sich um eine asiatische Heilkunde, die mit der ayurvedischen Medizin und der Traditionellen Chinesischen Medizin verwandt ist.

Die Ursprünge der tibetischen Medizin lassen sich bis in die vorbuddhistische Zeit (ungefähr 2000 v. Chr.) zurückverfolgen. Mit der Einführung des Buddhismus in Tibet im 7. Jahrhundert n. Chr. wurde auch die tibetische Schrift weiter entwickelt. Verschiedene medizinische Texte wurden ins Tibetische übersetzt, so dass auch Verfahren der indischen und der chinesischen Medizin Eingang in die tibetische Heilkunst fanden. Im 8. Jahrhundert schrieb Yuthok Yonten Gonpo (708-833), ein tibetischer Arzt, eine erste Version der vier Medizintantras („Gyüshi“) als Synthese der bekannten medizinischen Wissenssysteme. Auf der Basis der alten Texte verfasste Yuthok Yonten Gonpo der Jüngere (1126-1202) im 11. Jahrhundert die heutige Version des „Gyüshi“, das als Grundlagenwerk der tibetischen Medizin gilt.

Ihre endgültige Prägung erhielt die tibetische Medizin im 17. Jahrhundert unter dem fünften Dalai Lama (1617-1682), der auch die Gründung von Chakpori, der ersten auf tibetische Medizin spezialisierten Hochschule in Lhasa veranlasste. Der Regent Sangye Gyamtso (1653-1705) überarbeitete zu jener Zeit das Gyüshi und gab einen berühmten Kommentar mit dem Titel „Blauer Beryll“ heraus. 79 Gemälde, die Medizin-Thangkas, illustrierten den Kommentar. Das Gyüshi, der „Blaue Beryll“ sowie die Thangkas sind bis heute die Grundlage für die Ausbildung der tibetischen Ärzte.

Die tibetische Medizin breitete sich unter anderem in der Mongolei, in Sibirien (Burjatien) und in Nepal aus. Um 1850 erreichte der Ruf der Wirksamkeit der tibetischen Medizin auch den Hof des russischen Zaren in St. Petersburg.

Während der chinesischen Besetzung Tibets im Jahr 1959 wurde die tibetische Hochschule Chakpori zerstört. Dabei gingen Teile des überlieferten und des praktischen Wissens verloren. Im Jahr 1961 gründete der 14. Dalai Lama (geboren 1935) im indischen Exil eine neue Klinik mit dem Ziel, das traditionelle Wissen der tibetischen Medizin zu bewahren und weiterzuentwickeln. Heute gibt es in Indien mehrere Kliniken und Zentren, die sich auf die tibetische Medizin spezialisiert haben. Aber nicht nur in Asien, sondern auch in Europa findet die tibetische Medizin zunehmend Beachtung. Weltweit gibt es rund 2000 ausgebildete tibetische Ärzte.

Die tibetische Medizin ist eng mit den philosophischen Grundprinzipien des Buddhismus verknüpft. Nach buddhistischer Auffassung ist „geistige Unwissenheit“ die Ursache aller Krankheiten. Diese Unwissenheit äussert sich in der Illusion, dass der Mensch ein Individuum sei, das getrennt von seiner Umwelt existiert. Die Begriffe „Ich“ und „Mein“ führen zur Entstehung der drei „Geistesgifte“ Hass, Ignoranz und Gier, die wiederum die drei Körperenergien rLung/Lung (Wind, das bewegende Prinzip), Tripa/mKrispa (Galle, das wärmende Prinzip) und Beken/Bekan/Badgan (Schleim, das stabilisierende und kühlende Prinzip) beeinflussen. Die drei Körperenergien Wind, Galle und Schleim beherrschen alle vitalen Funktionen des Organismus und stehen in enger Verbindung mit den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Wind und Äther (Raum).

Befindet sich das komplexe Zusammenspiel der drei Geistesgifte, der drei Körperenergien und der fünf Elemente in einem harmonischen Gleichgewicht, ist der Mensch gesund. Ein Ungleichgewicht äussert sich in einer Krankheit. Aber auch äussere Faktoren wie die Ernährungsweise, der Lebensstil und die klimatischen Bedingungen können die Gesundheit beeinflussen. So verstärkt sich zum Beispiel die Tripa-Energie, wenn man sich an trockenen und heissen Orten aufhält. Ziel der tibetischen Medizin ist es, die aus dem Gleichgewicht geratenen Körperenergien wieder zu harmonisieren.

Quelle: EMR Schweiz

Notwendige Ausbildungsdauer in Std. für die Krankenkassenanerkennung in der Schweiz:

Methodenausbildung: 600
Schulmedizinische Ausbildung: 600

EMR-Methode Nr. 189

 

 

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