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Plastisch-therapeutisches Gestalten anthrop. 148

Das plastisch-therapeutische Gestalten ist eine der Kunsttherapien, die zu den Behandlungsmethoden der anthroposophischen Medizin gehören.

Plastisch-therapeutisches Gestalten geht auf den österreichischen Wissenschaftler und Philosophen Rudolf Steiner (1861-1925) zurück. In Zusammenarbeit mit der holländischen Ärztin Ita Wegman (1876-1943) kombinierte er seine Ideen und sein Menschenbild mit den bestehenden Methoden der Schulmedizin und entwickelte daraus um 1920 die anthroposophische Medizin. Bereits 1921 entstanden in Arlesheim (Baselland) und Stuttgart erste klinische Einrichtungen, in denen der neue medizinische Ansatz praktisch zur Anwendung kam. Darauf aufbauend hat sich die anthroposophische Medizin im Lauf der Jahrzehnte über die ganze Welt verbreitet.

Das plastisch-therapeutische Gestalten basiert auf den plastischen Formimpulsen von Steiner bei der Ausgestaltung der Goetheanum-Bauten.

Nach Rudolf Steiner besteht der Mensch aus vier Wesenseinheiten, die sich gegenseitig beeinflussen: Der physische Leib ist der sichtbare Körper, der Ätherleib die Summe der Lebenskräfte (Wachstum, Regeneration), der Astralleib beinhaltet das seelische Innenleben (Empfindungen, Gefühle, Bewusstsein) und das „Ich“ bzw. die Ich-Organisation ist das Zentrum der Persönlichkeit (Selbstbewusstsein).

Alle vier Wesenseinheiten stehen in enger Verbindung zueinander und werden erst nach dem Tod getrennt. Ihr Zusammenspiel bestimmt den gesundheitlichen Zustand des Menschen. So entsteht eine Krankheit durch ein Ungleichgewicht dieser vier Elemente, zum Beispiel kann sich eine Krebserkrankung nach anthroposophischer Auffassung durch ein lang andauerndes Überwiegen des Ätherleibs entwickeln. Eine Behandlung muss demnach darauf abzielen, die Kräfte der vier Wesenseinheiten auszubalancieren und die Harmonie wiederherzustellen.

Krankheit wird in der Anthroposophie nicht als Defekt verstanden, der repariert werden muss, sondern vielmehr als Chance zur Neu- und Weiterentwicklung der Persönlichkeit. Den vier Wesensarten werden folgende Grundtypen von Krankheiten zugeordnet: skleroseartig (physischer Leib), geschwulstartig (Ätherleib), entzündungsbedingt (Astralleib), lähmungsbedingt (Ich-Organisation). Alle Krankheiten gelten als Äusserung der Seele und des Geistes. Jedes Krankheitsbild ist individuell zu therapieren, da jede Krankheit vom persönlichen Befinden des Patienten abhängig ist.

Der anthroposophische Arzt hat die Möglichkeit, anthroposophische Kunsttherapien zu verordnen. Zu diesen zählen plastisch-therapeutisches Gestalten, Maltherapie, Sprachgestaltung und Musiktherapie. Begleitet von einem Therapeuten wird der heilende Prozess hier durch die Eigentätigkeit des Patienten gefördert. Bewegung, Form, Farbe, Klang oder Sprache regen den Patienten an, sich aktiv am Heilungsprozess zu beteiligen. Welche der Kunsttherapien zur Behandlung ausgewählt wird, hängt von den Beschwerden, Bedürfnissen und Fähigkeiten des einzelnen Patienten ab.

Das plastische Gestalten wird vor allem bei Störungen im Bereich des physischen Leibs und des Ätherleibs eingesetzt. Wenn zum Beispiel wie beim Übergewicht der aufbauenden Stoffwechseltätigkeit zu wenig begrenzende Kräfte gegenüber stehen, so kann formende gliedernde Arbeit das Fehlende anregen. Ziel ist es, dem Patienten mittels plastischer Form- und Metamorphosenübungen zu einem Kräftegleichgewicht zu verhelfen: Die Lebenskräfte und die Ich-Kräfte werden gestärkt, das ganzheitliche Erleben gefördert. Die entstandenen Skulpturen und Objekte sind dabei Selbstausdruck des Patienten und können so einen künstlerischen und persönlichen Entwicklungs- und Verwandlungsprozess bewirken. Verwandlungswege, etwa von liegenden zu aufrechten Formen, zeigen dabei das schrittweise Verändern einer von Krankheit geprägten Ausgangsform hin zu Formbewegungen, die heilend wirken können.

Quelle: EMR Schweiz

Notwendige Ausbildungsdauer in Std. für die Krankenkassenanerkennung in der Schweiz:

Methodenausbildung: 500
Schulmedizinische Ausbildung: 150

EMR-Methode Nr. 148

Weitere Begriffe: Plastisch-therapeutisches Gestalten anthroposophisches


 

 

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