Therapiemethoden Gesundheits-Tipps Lexikon Fachschulen Heilsteine

Phytotherapie TCM 146

Die Pflanzenheilkunde oder Phytotherapie nach den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) gehört zu den grundlegenden Therapieformen des chinesischen Medizinsystems.

Die ältesten Aufzeichnungen über ein medizinisches System in China stammen etwa aus der Zeit um 1000 v. Chr. Lange Zeit existierte jedoch keine einheitliche chinesische Heilkunde. Vielmehr gab es eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme, die auf verschiedenen Konzepten beruhten. Demnach konnten Krankheiten durch unzufriedene Ahnen, böswillige Magie von Mitmenschen oder durch Dämonen verursacht werden. Eine Zeitlang herrschte auch die Vorstellung, dass Krankheit eine Strafe für ein begangenes Missverhalten sei und die Kranken wurden eingekerkert, um für ihre Sünden zu büssen. Einen besonders starken Einfluss auf das medizinische System hatten die Philosophien des Taoismus und des Konfuzianismus. Konzepte wie die von Yin und Yang und den fünf Wandlungsphasen und vom Streben nach einem Leben in Harmonie mit der Natur veränderten das medizinische System nachhaltig und legten den Grundstein für die später entstandenen Grundlagenwerke der TCM.

Das grundlegende medizinische Fachwerk über die Prinzipien der TCM ist das „Huang Di Nei Jing“, das „Buch des Gelben Kaisers über Innere Medizin“, das wahrscheinlich um 200 v. Chr. entstand. In diesem Buch werden erstmals die wesentlichen, auch heute noch gültigen Konzepte der TCM dargelegt.

Die TCM war zwar bei Alltagsleiden erfolgreich, gegen schwerere Krankheiten konnte sie jedoch wenig ausrichten und eine Chirurgie im heutigen Sinn gab es überhaupt nicht. Deshalb wurde das traditionelle Medizinsystem nach der Einführung der westlichen Medizin in China im 19. Jahrhundert zunächst in den Hintergrund gedrängt. Im Jahr 1929 wurde die TCM in China sogar teilweise verboten. In den 1950er Jahren begann die kommunistische Regierung der neu gegründeten Volksrepublik China alte nationale Kulturgüter zu fördern. In diesem Zusammenhang bemühte man sich auch, die Medizintradition der TCM wiederzubeleben und zu verbessern. Dies war der Beginn der „modernen“ TCM. Heute wird die TCM in China parallel zur westlichen Medizin an den chinesischen Universitäten gelehrt. Ein Teil der medizinischen Einrichtungen in China arbeitet nach den Prinzipien der traditionellen Medizin, der Bevölkerung ist freigestellt, welche Art der Behandlung sie im Krankheitsfall wählt.

Mit der Öffnung der Volksrepublik China in den 1970er Jahren nach aussen begann auch der Transfer der TCM-Methoden nach Nordamerika und Europa. Vor allem die Akupunktur erlebte einen regelrechten Boom. Im Jahr 1995 veröffentlichten die chinesischen Behörden einheitliche Kriterien für Diagnose und Therapie der TCM. Auf diese Weise sollte die internationale Entwicklung der TCM gefördert werden. Mittlerweile sind die Methoden der TCM in den westlichen Ländern weit verbreitet: In zahlreichen Praxen und Kliniken werden TCM-Behandlungen angeboten, Ernährungsberater geben Kurse in chinesischer Diätetik, Physiotherapeuten wenden Tui-Na-Behandlungen an und Hebammen setzen Akupunktur in der Geburtshilfe ein. Besonders beliebt in den westlichen Ländern sind die chinesischen Pflanzenheilmittel, die inzwischen zu einem der wichtigsten Exportgüter Chinas geworden sind.

Die TCM sieht den Menschen als ganzheitliches Wesen, das in die Natur und das System des Yin und Yang eingebunden ist. Yin und Yang stehen für gegensätzliche, aber sich auch ergänzende Kräfte oder Energieformen, die immer in Wechselbeziehung zueinander stehen wie zum Beispiel Tag und Nacht, Erde und Himmel oder Kälte und Wärme. Dabei handelt es sich jedoch nicht um starre, sondern um wandelbare, ineinander übergehende, sich gegenseitig bedingende Zustände: Der Tag wird zur Nacht, und ohne den Tag gäbe es keine Definition der Nacht. Nach dem System des Yin und Yang werden nicht nur Naturphänomene kategorisiert, sondern auch der menschliche Organismus. „Yang-Organe“ sind zum Beispiel Gallenblase, Dünn- und Dickdarm, Magen und Harnblase. Zu den „Yin-Organen" gehören Leber, Herz, Milz, Lungen und Nieren. Da Sezieren und Obduzieren in China bis ins 20. Jahrhundert hinein tabu waren, gab es in der TCM lange Zeit nur eine ungefähre Vorstellung von der Lage und der Funktion der Organe. Der Begriff „Organ“ bezeichnet in der TCM deshalb immer einen ganzen Funktionskreis: Zur „Lunge“ gehört nicht nur die Lunge selbst, sondern auch die Riechorgane und die gesamte Atemfunktion.

Das dynamische Wechselspiel von Yin und Yang bringt die Lebensenergie der Natur, das Qi hervor. Qi ist die Grundlage alles Lebendigen und bildet auch die Lebensenergie des menschlichen Körpers. Die Lebensenergie fliesst in Energie-Leitbahnen, den sogenannten Meridianen, durch den Körper und hat viele verschiedene Funktionen: Qi schützt den Körper vor Erkrankungen, fördert Wachstum und Entwicklung, regt die Funktion der inneren Organe an, bildet und verteilt Blut und Körpersäfte, steuert die Körpertemperatur und reguliert den Wasserhaushalt und die Verdauung. Zusammen mit der Essenz (Jing), dem Blut (Xue) und den Körpersäften gehört Qi zu den Grundsubstanzen, die die materielle und funktionelle Grundlage des Körpers bilden. Auch die vier Grundsubstanzen werden durch die Polaritäten Yin und Yang beeinflusst und gesteuert.

Befinden sich die Yin- und Yang-Elemente im Körper in einem dynamischen Gleichgewicht, kann die Lebensenergie Qi ungehindert den Körper durchfliessen – der Mensch ist gesund. Krankheiten entstehen, wenn die Harmonie des Yin-/Yang-Systems gestört ist und daraus Blockierungen und Stauungen der Lebensenergie resultieren. Krankheiten können beispielsweise ausgelöst werden durch äussere, klimatische Einflüsse wie Hitze, Kälte oder Wind, sowie durch innere, emotionale Faktoren wie Ärger, Freude, Angst oder Sorgen. Weitere Krankheitsursachen können Ernährungsfehler, Überanstrengung oder Verletzungen sein. Die Behandlung zielt darauf ab, das Qi im Körper wieder zum Fliessen zu bringen und so das Ungleichgewicht zwischen den beiden Prinzipien wieder zu harmonisieren.

Ein weiteres Grundprinzip der TCM ist die Lehre von den „Fünf Wandlungsphasen“ oder den „Fünf Elementen“ Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Mit dieser Lehre werden die Gesetzmässigkeiten beschrieben, nach denen dynamische Prozesse (Entstehung, Wandlung, Vergehen) in der Natur ablaufen. Zwischen den Fünf Elementen oder Wandlungsphasen Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser besteht eine zyklische Wechselwirkung. Diese Beziehungen werden in Form von zwei Kreisläufen dargestellt, dem sogenannten erzeugenden oder nährenden und dem destruktiven Zyklus. Den Fünf Elementen ist eine Vielzahl von Begriffen zugeordnet wie zum Beispiel fünf Jahreszeiten, fünf Himmelsrichtungen, fünf Farben und Formen oder fünf Geschmacksrichtungen. Auch die chinesischen Heilmittel werden nach diesem System klassifiziert und aufgrund ihres Geschmacks (süss, sauer, bitter, scharf oder salzig) einer dieser fünf Kategorien zugeordnet. Jedes Yin- und Yang-Organ des Körpers entspricht aufgrund seiner Eigenschaften ebenfalls einem der Fünf Elemente.

Quelle: EMR Schweiz

Notwendige Ausbildungsdauer in Std. für die Krankenkassenanerkennung in der Schweiz:

Methodenausbildung: 300
Schulmedizinische Ausbildung: Naturheilpraktiker TCM oder Arzt TCM

EMR-Methode Nr. 146


 

 

nach oben