Sie sind hier: Startseite » Therapiemethoden

Myofunktionelle Therapie 212

Die myofunktionelle Therapie (MFT) (griechisch mys = Muskel) ist eine Behandlungsmethode, mit der vor allem im Kindesalter Fehlfunktionen der Kau- und Gesichtsmuskulatur verbessert und falsche Schluckgewohnheiten beseitigt werden können.

Die Feststellung, dass muskuläre Fehlfunktionen vor allem im Gesichtsbereich sich negativ auf die Sprachbildung und die Gebissmorphologie auswirken können, führte bereits Anfang des 20. Jahrhunderts zur Entwicklung verschiedener Gesichtsmuskelübungen. In den 1960er Jahren stellte Walter J. Straub ein erstes myofunktionelles System bei Sprachfehlern vor. In der Folge entstanden in den USA zahlreiche MFT-Programme. Das heute in Europa gebräuchliche Therapiekonzept der myofunktionellen Therapie geht auf den amerikanischen Sprachpathologen Daniel Garliner zurück, der in den1970er Jahren zahlreiche wissenschaftliche Artikel zur myofunktionellen Therapie veröffentlichte und unter anderem in Deutschland Kurse durchführte. Sein didaktisch praktikables System wird inzwischen in ganz Europa von verschiedenen Schulen gelehrt und weiterentwickelt.

Die myofunktionelle Therapie wird zur Behandlung von sogenannten myofunktionellen Störungen angewendet. Dabei handelt es sich um Störungen im Bewegungsmuster und in der Grundspannung der inneren und äusseren Mundmuskulatur. Normalerweise sind die Kräfte der Zunge und der anderen Muskeln im Mund ausgeglichen und ermöglichen durch ihr harmonisches Zusammenspiel den reibungslosen Ablauf des Schluckvorgangs. Bei einer myofunktionellen Störung ist der Schluckvorgang gestört: Die Zunge wird beim Schlucken meist nicht nach oben gegen den harten Gaumen gepresst, sondern gegen oder zwischen die Vorder- und die Backenzähne. Dadurch kann die Zunge Speisen, Getränke oder den Speichel nicht mehr in ausreichendem Mass transportieren und die umgebende Mundmuskulatur übernimmt einen Teil dieser Funktionen.

Ein derartiges falsches Schluckverhalten kann weitreichende Folgen für die Muskulatur des Mundbereichs und für die Zähne haben: Eine falsche Zungenruhelage, Aussprachestörungen, ständige Mundatmung und dadurch erhöhte Anfälligkeit für Atemwegsinfektionen, Fehlstellungen der Zähne, Fehlbildungen des Kieferknochens und Kiefergelenksbeschwerden sind die häufigsten Erscheinungsbilder einer myofunktionellen Störung. Dazu kommen Beeinträchtigungen der Gesichtsmuskulatur sowie Probleme mit dem Grundtonus und der Haltung des ganzen Körpers.

Ursachen für eine myofunktionelle Störung können sein: Flaschenernährung des Säuglings anstelle von Stillen, andauerndes Daumenlutschen oder Nägelkauen, Behinderungen der Nasenatmung durch Allergien, vergrösserte Mandeln oder Polypen sowie Anomalien des Gesichtsskeletts.

Quelle: EMR Schweiz

Notwendige Ausbildungsdauer in Std. für die Krankenkassenanerkennung in der Schweiz:

Methodenausbildung: 150
Schulmedizinische Ausbildung: 150

EMR-Methode Nr. 212



 

 

nach oben